Produktberatung

Seit ihrer Geburt im Jahr 1997 hat sich die WLAN-Technologie sehr stark entwickelt: konnte die erste Generation gerade mal 1Mbit übertragen, so sind heute Bandbreiten im Gigabit Bereich möglich. Moderne Mesh Systeme bieten einfache Netz-Konfiguration sowie automatischen Wechsel der Endgeräte zwischen verteilten WLAN-Basen (Repeatern) innerhalb des Netzes.

Allen Verbesserungen zum Trotz bleibt das generelle Problem der WLAN-Technologie aber bestehen: die Sendeleistung der Geräte ist relativ gering und gesetzlich normiert, sie begrenzt die Reichweite des Funksignals. Bereits eine massive Wand oder eine Stahlbetondecke kann den WLAN-Empfang unmöglich machen. Daran ändern auch die Mesh Systeme wenig, wenn Verbindung zwischen den Basen per Funk erfolgt – in diesem Fall agieren sie wie herkömmliche Repeater. In Mehrfamilienhäusern kommt ein weiteres Problem dazu – auf „engem Raum“ versammeln sich viele Netzwerke, die sich in den genutzten Funkfrequenzen überlappen und gegenseitig stören.

Deswegen gilt auch heute der Grundsatz: eine schnelle und stabile Vernetzung setzt ein kabelgebundenes Netzwerk voraus! Für optimale WLAN-Versorgung müssen die Mesh Repeater per LAN Kabel ans Netzwerk angeschlossen werden, Verbindung per Funk zwischen den Basen sollte absolute Ausnahme sein!

Eine nah liegende Lösung, um ein kabelgebundenes Netzwerk zu realisieren, ist Einsatz der Powerline Modems, die vorhandene Stromleitungen für die Datenübertragung nutzen. Die Verwendung der Geräte ist denkbar einfach: man steckt sie in die Steckdosen, drückt einen Knopf für die Synchronisierung und das Netzwerk steht gleich. Was in Theorie gut klingt, scheitert in der Praxis an den Gesetzen der Physik: die Stromleitungen sind weder geschirmt noch verdrillt, sie erfüllen also nicht die Voraussetzungen für ein gutes Datenkabel. Außerdem sind die Kabel verschiedener Stromkreise im Haus nicht miteinander verbunden. Die „Qualität“ einer Powerline-Vernetzung kennt jeder: es wird nur ein Bruchteil der vom Hersteller beworbenen Geschwindigkeit erreicht, das Netzwerk hat oft lange Latenzen und Aussetzer.

Ähnlich einfach erfolgt die Vernetzung auch mit unseren Geräten: sie müssen nur zusammen über die im Haus vorhandenen Koax– bzw. Telefonkabel verbunden werden und das Netzwerk ist sofort betriebsbereit. Die Qualität dieser Vernetzung ist aber ungleich besser! Denn im Gegensatz zu Stromkabeln sind Koax- und Telefonkabel auf schnelle und stabile Datenübertragung ausgelegt: Koaxkabel sind sehr gut geschirmt, die Telefonkabel sind verdrillt, einige Typen haben eine Basisabschirmung. Deswegen werden sie seit jeher erfolgreich in der Telekommunikation und bei TV-Übertragung eingesetzt.

Unsere G.hn Modems und Switches nutzen die guten Eigenschaften der Telefon- und Koaxkabel und verwandeln sie mit Hilfe des G.hn Standards in ein schnelles kabelgebundenes Netzwerk. Großer Vorteil für die WLAN-Versorgung: die WLAN Repeater werden darüber per LAN  mit dem Netzwerk verbunden!

Die nominelle Leistung von Telefon- und Koax-Geräten ist in etwa gleich. Bei Vernetzung im Einfamilienhaus erreicht man mit Koax- und Telefonkabeln eine ähnliche Performance.

Bei Vernetzung von größeren Gebäuden (Hotel, Wohnheim etc.) empfehlen wir die Verwendung von Koax- oder 4-adrigen Telefonkabeln.

Bei Bedarf können Koax- und Telefon-Lösungen parallel genutzt werden.

Bis ca. 35dB Dämpfung wird bei Telefon- und Koaxialkabeln eine netto Bandbreite von ca. 1500MBit/s erreicht, bei 50dB – ca. 1GBit/s, bei 75dB – noch ca. 100MBit/s.

Auf dem Markt existieren diverse Kabeltypen mit unterschiedlichen Dämpfungswerten.

Die folgenden Graphiken zeigen in der Praxis erreichbare Bandbreite für gängige Telefonkabeltypen im SISO und MIMO Betrieb (2-/4-adrig) sowie für typische Koaxialkabel:

  • Telefonkabel für Innen-Verkabelung: J-Y(St)Y, J-YY und J-2Y(St)Y. Im Sprachgebrauch werden sie auch als Elektriker-/Post-/ISDN-Kabel genannt.
  • Telefonkabel für Außen-Verkabelung: A-2Y(L)2Y und A-02Y(L)2Y Erdkabel.
  • Koax-Kabel für Innen-Verkabelung: RG-59, RG-6 und RG-11 mit Dämpfung bei 200MHz von 17dB, 12dB und 8dB.

Wir entwickeln und bieten keine Geräte mehr mit integriertem WLAN an. Der Grund ist einfach – Stand der WLAN Vernetzung heutzutage ist ein Mesh System. Das ist technisch die beste (und einzig richtige) Lösung, denn bei einem WLAN Mesh System erfolgt die gesamte Konfiguration zentral an einer Stelle und die Endgeräte können im Betrieb automatisch und ohne Datenunterbrechung zwischen den Access Points (Repeatern) wechseln.

Beim WLAN Mesh System müssen alle Komponenten vom selben Hersteller sein, denn einen gemeinsamen Mesh Standard gibt es aktuell nicht.

Unsere Empfehlung lautet deswegen unsere Modems mit Mesh-fähigen Repeatern Ihrer Wahl zu kombinieren, die Sie per LAN Kabel an unsere Modems anschließen. Bei einer FritzBox als Router sollten also die FritzRepeater verwendet werden, Mesh Systeme anderer Hersteller sind ebenso möglich.

Weiterer positiver Effekt besteht dabei in der Möglichkeit der Weiternutzung bereits vorhandener Mesh Repeater. Man spart also Kosten und vermeidet Elektroabfälle. So lassen sich zum Beispiel auch die AVM Powerline Repeater mit abgeschaltetem Powerline Modul im Modus „LAN-Brücke“ als WLAN Mesh Repeater weiter verwenden. 

Folgende Frage wird uns häufig gestellt: „Laut Webinterface erreichen die Modems eine Bandbreite von ca. 1800MBit/s. Ich kann meinen Gigabit Anschluss problemlos mit voller Leistung im Haus verteilen, auch Dateien im lokalen Netzwerk mit Gigabit Geschwindigkeit übertragen. Mit iperf für Windows messe ich allerdings nur 100-300MBit/s. Woran liegt es?“

Es liegt am uralten Fehler in der Windows Version von iperf, dieser steckt in der veralteten Datei cygwin1.dll.

Wenn iperf während der Messung eine etwas längere Latenz erkennt, als beim klassischen Ethernet üblich ist, wird die Größe des Windows Empfangsbuffers (TCPWindowSize) häufig nicht korrekt skaliert. Der Buffer wird zu klein gewählt, die Bandbreite der Datenverbindung lässt sich dann nicht ausschöpfen.

Um mit der Windows Version von iperf korrekte Ergebnisse zu erzielen, gibt es verschiedene Lösungen:

  • Beim Start von iperf die TCPWindowSize manuell mit dem Parameter -w vorgeben (-w 1024K).
  • Die alte cygwin1.dll updaten. Die aktuelle Version ist im cygwin Paket enthalten: https://www.cygwin.com/
  • Linux oder macOS Versionen von iperf nutzen.

Oder man verwendet andere Messwerkzeuge.

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